Erholung mit Nebenwirkungen: krank im Urlaub

Mit den ersten warmen Monaten startet für viele die Reisezeit. Doch häufig beginnt der Urlaub anders als geplant: Kaum ist die Anspannung des Arbeitsalltags abgefallen, meldet sich der Körper mit Erkältungssymptomen oder Erschöpfung. Woran das liegt – und wie sich gegensteuern lässt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Viele Beschäftigte werden krank, sobald die Anspannung im Urlaub nachlässt.
  • Stresshormone halten den Körper im Alltag leistungsfähig und verdecken Erschöpfung.
  • Der abrupte Wechsel von Arbeit zu Erholung überfordert den Organismus.
  • Fehlende Regeneration erhöht das Risiko für langfristige Erschöpfung.
  • Unternehmen können durch bestimmte Strukturen und Mitarbeitende durch ihr eigenes Verhalten zu besserer Erholung beitragen.

Endlich frei - und dann das! 

Kommt Ihnen das bekannt vor? Der letzte Arbeitstag ist geschafft, die Abwesenheitsnotiz eingerichtet, der Koffer gepackt. Endlich Urlaub! Dann der erste Morgen ohne Wecker – und statt Urlaubsfreude spüren Sie ein Kratzen im Hals, Kopfschmerzen oder bleierne Müdigkeit. Ausgerechnet jetzt. Einfach nur Pech? Nein, und auch kein Einzelfall. Viele Beschäftigte kennen das Gefühl. Die IU Internationale Hochschule hat die sogenannte Leisure Sickness (Freizeitkrankheit) in ihrer Studie „Leisure Sickness – Erschöpft statt erholt“ untersucht. Demnach hatten knapp 72 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland an freien Tagen oder im Urlaub schon einmal das Gefühl, krank zu werden oder sich erschöpft zu fühlen. Die Frage, ob sie häufig oder sogar immer krank im Urlaub seien, bejahte fast jede fünfte befragte Person.

19,3 Prozent

der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland haben an freien Tagen oder im Urlaub immer oder häufig das Gefühl, krank zu werden oder fühlen sich erschöpft. (Quelle: Studie IU Internationale Hochschule)

Wenn der Körper „runterfährt“

Hinter diesem Phänomen steckt mehr als Zufall. Gerade wenn die Anspannung nachlässt, reagiert der Körper oft mit Krankheit. Während stressiger Arbeitsphasen hält der Körper durch – gesteuert unter anderem durch Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol. Sie sorgen dafür, dass wir leistungsfähig bleiben, auch wenn wir eigentlich längst erschöpft sind. Fällt die Anspannung dann plötzlich weg, verändert sich dieser Zustand schlagartig. Das Immunsystem reagiert, Erschöpfung wird spürbar – und Krankheitssymptome treten auf. Was zuvor „unterdrückt“ wurde, holt der Körper im Urlaub nach. Jetzt hat er endlich „Zeit“, krank zu sein.

Von „Vollgas zu Erholung“: schwieriger Übergang

Für viele Beschäftigte ist Abschalten keine Selbstverständlichkeit. Der Arbeitstag endet selten pünktlich, die gedankliche To-do-Liste läuft weiter – oft bis in den Urlaub hinein. In der IU-Studie gaben 40,1 Prozent der Befragten an, dass Freizeit und Privatleben nicht genug Erholung bieten, um den Anforderungen im Job gerecht zu werden. Hinzu kommt: Gerade die Zeit vor dem Urlaub ist häufig besonders intensiv. Projekte müssen abgeschlossen, Vertretungen organisiert, Entscheidungen getroffen werden. Viele arbeiten bis zur letzten Minute auf Hochtouren. Der Übergang von „Vollgas“ zu „Erholung“ gelingt dann kaum.